Nach monatelangem öffentlichem Druck hat das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr zugesagt, das DB-Reisezentrum am Bahnhof Forchheim bis Ende 2030 zu erhalten. Die Forchheimer Bundestagsabgeordnete Lisa Badum (Grüne) begrüßt dies zunächst, warnt jedoch: Nach den eigenen Angaben von Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) ist im neuen Verkehrsdurchführungsvertrag zur S-Bahn Nürnberg, dessen Ausschreibung bereits läuft, keine personenbediente Beratung in Forchheim mehr vorgesehen. Die Frist bis 2030 sei damit keine offene Verhandlungsperspektive, sondern der Countdown zur endgültigen Schließung.
Badum hatte sich direkt an die Deutsche Bahn gewandt, nachdem Überlegungen bekannt geworden waren, das Reisezentrum am Bahnhof Forchheim schon zum Jahresende 2026 zu schließen. Gemeinsam mit dem öffentlichen Druck durch die Petition der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (fast 800 Unterschriften), dem Engagement der Stadt Forchheim und einem Schreiben des CSU-Landtagsabgeordneten Michael Hofmann an den Minister konnte zunächst die weitere Öffnung über das Jahresende hinaus erreicht werden. Nun teilte Minister Bernreiter in einem Schreiben mit, dass der Weiterbetrieb bis zum Ende des laufenden Verkehrsdurchführungsvertrags der S-Bahn Nürnberg Ende 2030 gesichert sei.
„Ich freue mich über jede gute Nachricht für die Fahrgäste am Bahnhof Forchheim“, erklärt Badum. „Mein Nachhaken bei der Bahn, das Schreiben von Herrn Hofmann, der Einsatz der Stadt Forchheim und die Petition der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft mit fast 800 Unterschriften – all das hat zusammengewirkt. Zunächst konnten wir erreichen, dass das Reisezentrum über das Jahresende hinaus geöffnet bleibt, jetzt liegt sogar eine Zusage bis 2030 vor. Dieser Erfolg ist das Ergebnis vieler engagierter Stimmen.“
Bei genauerer Lektüre des Ministerschreibens zeigt sich jedoch, dass die Zusage bis 2030 keine langfristige Lösung darstellt. Bernreiter selbst schreibt, der Aufsichtsrat der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) habe für den neuen Verkehrsvertrag „eine Fortführung nicht mehr berücksichtigen können“, da die Nachfrage in Forchheim nach den geltenden landesweiten Vorgaben für neue Ausschreibungen „bei weitem nicht hoch genug“ sei. Die Fahrgäste hätten mit der Garantie bis Ende 2030 „genug Zeit für die Umstellung“ – eine Formulierung, die nach Badums Lesart nichts anderes bedeutet als eine Übergangsfrist zur Vorbereitung der endgültigen Schließung.
„Es gibt einen Wehmutstropfen“, so Badum. „2030 ist kein neuer Verhandlungstermin, sondern nach den eigenen Worten des Ministers die Frist, die den Fahrgästen ‚genug Zeit für die Umstellung‘ geben soll. Sprich: Vorbereitung für die endgültige Schließung.“
Badum macht die CSU-geführte Staatsregierung für diese Entwicklung verantwortlich: „Die Verantwortung dafür liegt bei der CSU-geführten Staatsregierung selbst. Laut Minister Bernreiter sieht der Aufsichtsrat der Bayerischen Eisenbahngesellschaft in der bereits laufenden Ausschreibung für den neuen Verkehrsdurchführungsvertrag keine personenbediente Beratung in Forchheim mehr vor. Minister Bernreiter selbst ist Vorsitzender genau dieses Aufsichtsrates. Es sind seine eigenen landesweiten Vorgaben für neue Ausschreibungen, dank denen Forchheim jetzt gestrichen werden soll.“
„Es ist also die Staatsregierung, die Axt an den langfristigen Erhalt des Service in Forchheim legt“, kritisiert Badum weiter.
„Das passiert jetzt alles, ohne dass überhaupt eine ehrliche Debatte darüber geführt werden konnte, wie die persönliche Beratung auch in Zukunft noch möglich bleiben kann“, so Badum. „Nicht alle Reisenden können oder wollen digitale Kanäle nutzen. Ein inklusives Mobilitätsangebot darf nicht allein nach Renditegesichtspunkten bewertet werden.“
Badum kündigt an, sich weiter für eine dauerhafte Lösung einzusetzen: „Ich will diese Entscheidung aus München nicht hinnehmen. Die BEG und der Freistaat Bayern dürfen jetzt nicht einfach viereinhalb Jahre verstreichen lassen. Sie müssen gemeinsam mit allen Beteiligten rechtzeitig eine tragfähige Anschlusslösung erarbeiten, damit die persönliche Beratung 2030 nicht ersatzlos wegfällt. Dafür werde ich mich weiterhin einsetzen.“
Der Bahnhof Forchheim wird intensiv genutzt: An einem durchschnittlichen Schultag wurden zuletzt mehr als 9.300 Ein- und Ausstiege gezählt. Das Reisezentrum mit persönlicher Beratung ist das einzige seiner Art im gesamten Landkreis Forchheim.