Grüne Wanderung auf dem 5-Seidla Steig: 5 Grüne Geschichten!

  

(Autorin: Sylvia Hubele) Bei sonnigem Wetter waren die Grünen der Kreisverbände Forchheim und Bayreuth gemeinsam mit den Kandidaten für die Bundestagswahl auf dem Fünf-Seidla-Steig unterwegs, Susanne Bauer für Bayreuth und Lisa Badum für Forchheim. Fünf Seidla bei fünf Brauereien – das bot genügend Gelegenheit für allerlei grüne Themen.

Mathias geht nicht ohne Rucksack aus dem Haus

So ist Mathias Gräbner aus Forchheim beispielsweise nie ohne seinen Rucksack unterwegs. Er bekam schon als Kind Geld und Einkaufstasche in die Hand und achtet bis heute darauf, dass er mit möglichst wenig Verpackungen nach Hause kommt – die anschließend wieder entsorgt werden müssen. „Es ist vieles unnütz in Kunststoff verpackt“, findet er und kauft lieber beim Bauern um die Ecke, bei dem auch die Wege kurz sind.

Wo sind die Wildkräuter hin?

Gisela Schaarschmidt aus Igensdorf erzählt, wie die früheren Pilger für die Verbreitung von Knoblauchsrauke, Haselsträuchern und anderen Pflanzen sorgten, von denen sie unterwegs ernten und ihren Hunger stillen konnten. Sauerampfer, Gänseblümchen, Kornblumen und Kräuter sind auch bei einer Wanderung schnell gepflückt. Spritzen die Landwirte dagegen mit Glyphosat, können keine Wildkräuter mehr wachsen. Sie weiß auch, was sich gegen die lästigen Nacktschnecken im Garten unternehmen lässt: „Einfach die Stellen, an denen sie ihre Gelege haben, im Herbst mit heißem Wasser übergießen“. In ihrem Garten ist auf diese Weise wieder Schneckenvielfalt eingekehrt – fressen doch die Nacktschnecken die Gelege der anderen Schnecken

Kein Kirchturmdenken mehr!

Barbara und Volker Poneleit aus Igensdorf sinnieren über die Grenzen, die es zwischen den einzelnen Orten gibt – auch wenn sie nicht sichtbar sind. Nachdem die Gemeinden lange ihre Grenzen gewahrt haben, überwinden sie inzwischen das Kirchturmdenken und arbeiten interkommunal zusammen. So haben sich die Gemeinden Igensdorf und Weißenohe dazu entschlossen, ihren Bauhof gemeinsam zu errichten – und profitieren zugleich von der höheren Förderung durch das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE). Auch Bienen scheren sich nicht an Grenzen und fliegen bis zu einem Kilometer weit, wenn sie ihren Nektar sammeln: “Da reichen die dreihundert Meter Abstand, der zu genmanipulierten Feldfrüchten eingehalten werden muss, einfach nicht aus“.

In Gräfenberg steht eine Bahn, die allerdings nicht nach Forchheim, sondern nach Nürnberg fährt. Wie schwierig es ist, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Thuisbrunn zu gelangen, erlebten die Grünen im Vorfeld der Wanderung: Für das Anruf-Sammeltaxi hätte jeder 17,40 Euro bezahlt, wäre aber nur bis Gößweinstein gefahren. Erst nach einer Stunde Wartezeit wäre der nächste reguläre Bus bis Thuisbrunn gefahren. Emmerich Huber findet, dass der ÖPNV im gesamten Landkreis besser ausgebaut werden müsste. Auch die Tendenz, immer mehr Waren in immer größeren Gigalinern auf die Straße zu bringen, schade nicht nur der Bahn, sondern auch der Umwelt. Täglich wird allein in Bayern eine Fläche von 25 Fußballfeldern überbaut, erklärt Huber.

Dass ohne Wasser kein Bier gebraut werden kann, sei sicher jedem klar: „Wasser ist Leben!“ stellt Lisa Badum fest. Gerade in den Dörfern auf der Hochebene der Fränkischen Schweiz war Wasser jahrhundertelang echter Luxus, der beispielsweise mühsam vom Tal bis hinauf nach Engelhardtsberg getragen werden musste. Aber das Wasser wird immer mehr von Nitraten und Arzneimittelrückständen belastet, zu denen auch die Pille gehört. Die Reinigung und Klärung wird aufwändiger und muss von allen bezahlt werden: „Wäre es nicht sinnvoller, die Landwirtschaft so umzustellen, dass keine Nitrate mehr in den Boden und das Grundwasser gelangen können?“

Bilder: Copyright by Sylvia Hubele

 

Tauwetter in Forchheim

Ich erinnere mich an die Gespräche vor den Kommunalwahlen in Forchheim. 2007 und 2014. Es war bei vielen eine gewisse Unmut mit der Wiederwahl Stumpfs herauszuhören. Doch es schien eine Art Wahlzwang zu herrschen, obwohl sich fast niemand im Nachhinein erinnern konnte, ihn gewählt zu haben. Aber irgendwie schien es doch keine Alternative zu geben. Und außerdem „Es gewinnt sowieso immer der Stumpf/Die CSU.“ Hier mischte sich fränkische Resignation mit der eigenen Unwilligkeit etwas zu ändern.

Weckruf für Ungläubige

Spätestens nach der überraschenden Stichwahl mit Uwe Kirschstein 2014 hätten doch eigentlich auch die „Ungläubigen“ aufhorchen können. Ja, es war nicht unbedingt zwingend so, dass Kirschstein in die Stichwahl hätte kommen müssen. Es hätte auch Manfred Hümmer sein können. Vielleicht hätte dieser ähnlich gut gegen OB Stumpf abgeschnitten, einfach weil die Wechselstimmung schon absehbar war. Das sind aber Hypothesen. Fakt ist dass Kirschstein es schaffte, wohl auch mit engagiertem Haustürwahlkampf und diesen Schwung noch einmal verdichten konnte bis zur erneuten Wahl 2016 und seinem Amtsantritt als OB.

Ist halt Forchheim“

Doch auch nach dem überraschenden Rücktritt von Franz Stumpf und dem beginnenden Wahlkampf 2016 unkten die Bedenkenträger. Natürlich sei Kirschstein schon einmal in die Stichwahl gekommen, aber „es sei eben Forchheim.“ Diese fatalistische Grundhaltung lehne ich schon seit Jahren und auch in anderen Themenbereichen ab. Solange die Chancen intakt sind, kann man die Chancen verfolgen und dafür kämpfen und dafür arbeiten. Wie viele Änderungen, wie viele Wechsel in Politik und Gesellschaft waren wohl von vornherein schon klar absehbar und für wie viele gab es eine 50/50 oder sogar eine geringere Chance zur Verwirklichung?

Und doch: man und frau können was ändern

Und das Schöne ist: Diese Stimmung hat wohl auch viele ForchheimerInnen gepackt. Denn hätte man sich wieder eingelullt in die übliche „Man kann doch eh nix ändern“-Stimmung und „Man weiß ja was man hat“ (und das im guten und im schlechten Sinne, denn auch rhetorisch wiederkehrende Kritik die man äußern kann, führt zu heimeligem Gefühl), hätte es keine knappe Mehrheit für den Wechsel gegeben.

2016: Mehr direkte Demokratie

Aber das Jahr 2016 bringt noch mehr gute Nachrichten. Die Bürgerinitiative Reuther Hänge hat über 1900 Unterschriften für die Durchführung eines Bürgerentscheids über dieses Thema gesammelt. Dazu vielleicht ein Wort: Die Hürden für direkte Demokratie sind in Bayern nicht gerade niedrig. Man muss nachweisen dass ein Thema für genügend Menschen relevant ist und auch am Wahltag muss eine Wahlbeteiligung von 20 Prozent erfüllt sein. Nicht gerade eine geringe Aufgabe, wenn selbst bei Kommunalwahlen nur 50-60 Prozent der Leute wählen gehen.

Hinzu kommt, dass der Stadtrat weitere Möglichkeiten hat die Hürden zu erhöhen. So wurden keine Wahlbeteiligungen verschickt, das Zusammenlegen des Bürgerentscheids mit der OB-Wahl (einen Monat vorher) abgelehnt und nur die Hälfte der Wahllokale wird geöffnet sein.

Reuth bewegt die Menschen

Es bedarf also engagierter Bürgerinnen und Bürger um alle diese Hürden zu überwinden. Schon die fast 2000 Unterschriften zeigen, dass es nicht um ein x-beliebiges Baugebiet geht, denn dafür würden sich kaum so viele Menschen interessieren. Nein, es geht um ein Naherholungsgebiet, das von zahlreichen ForchheimerInnen genutzt wird. Sie möchten den Preis einer möglichen Verkehrserschließung oder Nachverdichtung nicht bezahlen, weil sie die Verhältnismässigkeit nicht erkennen. Sie möchten sie im wahrsten Sinne des Wortes auch nicht bezahlen, weil die Nebenkosten für diese gesamten Maßnahmen auf die BürgerInnen der Stadt umgelegt werden.

Egal wie der Bürgerentscheid nun ausgeht und ich glaube auch hier an einen positiven Ausgang, denn gemeinsam kann so viel erreicht werden, er hat auf jeden Fall schon jetzt eine Menge bewegt in den Köpfen und ist für die Stadtratsmehrheit ein Anlass, alte Meinungen mal zu hinterfragen.

Damit ist es noch nicht getan, mit den guten Nachrichten: Auch die Ostspange wird offensichtlich vom Verkehrsministerium nicht als vorrangiges Projekt für den deutschen Bundesverkehrswegeplan gesehen. Wir hoffen nun auf ein endgültiges Ende dieses Irrwegs. Ich werde weiter darüber berichten.

Wandel, an den wir glauben können! Packen wirs an.