Und die Sonne heizt mit | LAG Energie hat ein Herz für Solarthermie

Nachdem auf der LAG Energie Mailingliste eine hitzige Debatte über Photovoltaik und Solarthermie stattgefunden hatte, wollten wir das Thema diesen Samstag genauer unter die Lupe nehmen. Wir sahen uns Praxisbeispiele an: Ein dörfliches Nahwärmeprojekt in Hallerndorf im Landkreis Forchheim, ein geplantes Projekt für 15 Häuser im städtischen Umfeld in Sauerlach und die Mega-Projekte der Erneuerbaren Wärmeversorgung bei unserem Nachbarn Dänemark. Dort umfassen die Projekte bis zu 21.000 AnschlussnehmerInnen.

Es wurde deutlich: In einer modernen erneuerbaren Nahwärmeversorgung kann Solarthermie immer eine wichtige Rolle spielen. Der Vorteil gegenüber rein strombasierten Technologien ist unbestritten die Möglichkeit zu speichern. Auch ist weder das Strommarktdesign optimal ausgelegt für eine flächendeckende Wärmeversorgung durch z.B. Wärmepumpen noch der zunehmende Bedarf an Erneuerbarem Strom, der bswp. durch Elektromobilität noch zunehmen wird. In jedem Fall muss Erneuerbare Wärme durch die Kraft der Sonne ergänzt werden, da die reine Heizung mit Biokraftstoffen flächendeckend nicht möglich ist.

Besuch im #Hambacher Forst: Kampf gegen Kohleabbau #Energieblog

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Es ist Freitag, der 11. November, es ist kalt und matschig. Viele der selbst zusammengebauten Häuser verwenden den lehmigen Boden zum Bauen und zum Dämmen. Um 12 Uhr ist es noch ruhig in der Wiesenbesetzung am Hambacher Forst. Jetzt wo es ungemütlich wird, sind viele der BewohnerInnen vom Sommer wieder verschwunden. Und das obwohl genau jetzt die Rodungszeit beginnt. Genau jetzt ist der Widerstand wichtig. Ein Aktivist, der auch im Winter dort ausharren will, erzählt mir seine Sicht der Dinge.

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Hambacher Forst und Dörfer werden zerstört

Unbeirrt von Klimawandel, Energiewende und der Unrentabilität von Braunkohlekraftwerken macht RWE weiter. Sie planen noch ein Großteil des Hambacher Forsts zu roden, um den Kohleabbau weiterzubetreiben. Der Forst liegt unweit von Köln, bei der S-Bahn Station Buir, nahe Düren. Die Ortschaft Morschenich ist bereits fast vollständig geräumt. Es regt sich dort kein großer Widerstand, wahrscheinlich weil die meisten AnwohnerInnen bei dem Konzern arbeiten.

Engagierte Zivilgesellschaft

In dem ebenfalls angrenzenden Buir hingegen ist seit Jahren die Initiative „Buirer für Buir“ aktiv und setzt sich für Klimaschutz ein. Es gibt Kontakte von den BesetzerInnen zu „Buirer für Buir“ und auch gute Zusammenarbeit mit etwa dem Autonomen Zentrum in Köln, der Zivilgesellschaft und Politik. Bei Waldspaziergängen informieren die AktivistInnen alle Interessierten über die Reste des Hambacher Forsts und ihren Widerstand.

Regelmäßig kommt ein Kontaktbeamte der Polizei zu den BesetzerInnen, um einen Austausch und die Rückkopplung an die Staatsmacht zu gewährleisten. Aber was kann das konkret helfen?

Die Kohle rückt immer naher ran

Denn Zentimeter um Zentimeter verteidigen die Aktiven das Gelände vor weiterer sinnloser Rodung für eine Technologie, die bereits an ihrem Ende angekommen ist. Billiger Braunkohlestrom verstopft die Netze und verhindert weiteren Fortschritt. Aber Zentimeter um Zentimeter gewinnt RWE an Boden. Schon in den siebziger Jahren haben die umliegenden Ortschaften den Forst an RWE verkauft. Mit dem Geld konnten Bildungseinrichtungen und Schwimmbäder gebaut werden. Aber die Grundstücksrechte fehlen nun, um eine weitere Zerstörung zu verhindern.

Der einzig Standhafte ist Kurt, dem noch ein schmaler Streifen Land gehört, auf dem sich ein Teil der Wiesenbesetzung abspielt. Obwohl ihm RWE schon 13.000 Euro dafür geboten hat, weigert er sich zu verkaufen.

Baumhäuser

In einigen sehr hohen Baumriesen haben sich Menschen Baumhäuser gebaut. Es hat viele Jahre gedauert, bis die Riesen gewachsen sind und es dauert nur wenige Stunden sie umzusägen. Die Arbeiter und die sie begleitenden Sicherheitstrupps von RWE fällen mit Vorliebe zuerst die für Baumhäuser geeigneten Stämme. Dort wo schon jemand wohnt, gibt es keine Ankündigung, der jenige wird vom Lärm geweckt. Wer sich weigert sein Baumhaus zu verlassen, wird mehrere Tage von RWE und Polizei umlagert. Wer sich zu lang wehrt, kann wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt belangt werden und wenn es dumm läuft auch einige Wochen oder sogar Monate in der U-Haft verbringen.

Selbstversorgung

Die Camp-BewohnerInnen führen ein Leben mit Subsistenzwirtschaft, wie es sich viele von uns in ihrem komfortablen und hochtechnisierten Alltag wünschen, zumindest in der Theorie. Energie wird vom hauseigenen und selbstgebauten Windrad sowie eigenen Solarzellen erzeugt. Das Essen kommt vom food-sharing, Containern, Essensspenden oder von Selbstangebautem. Ich ertappe mich dabei meinen eigenen Lebensstil einmal mehr zu hinterfragen, zwar lebe ich „grün-bewußt“ aber Laptop und Smartphone sind dabei Usus. Manchmal kann ich es auch nicht vermeiden Lebensmittel wegzuschmeißen, so wenig mir das gefällt. Und erneuerbare Wärmeversorgung haben auch die wenigsten von uns. Vielleicht diejenigen, die sich ein eigenes Passivhaus gebaut haben. Aber können wir es uns eigentlich leisten, dass jede Familie sich irgendwo ein eigenes Haus hinbaut? Viele Fragen die uns in der Industriegesellschaft umtreiben. Ich habe großen Respekt vor diesem bescheidenen Lebensstil.

Wo die Staatsgewalt pennt

Während die Kohle-SPD den schon längst unumkehrbaren Kohleausstieg weiter verschleppt und es für alle Beteiligten noch schlimmer macht. Während Sigmar Gabriel der Worst Case als „Energieminister“ ist, steht der Staat nicht auf der Seite der Enteigneten von Land und den Orten, die sie aufgewachsen ist. Der Staat steht auf der anderen Seite und verteidigt mit Polizeischutz die Profitinteressen der Konzerne.

Schade, dass ziviler Widerstand momentan noch das Einzige ist, was sich RWE im Hambacher Forst entgegenstellt. Politikwechsel ist nötig – Jetzt!

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