Es tut mir leid, es ist ja schon angeklungen, aber für mich gibt es derzeit gerade wenig andere Themen als Fussball.
Und Fussball ist nicht einfach nur ein Sport wie jeder andere, nein. In das deutsche Team wird der Zustand der aktuellen Gesellschaft (doch Multikulti!) hineininterpretiert
und im Spielstil das neue, entspannte Deutschland erkannt. Ein Kumpel von mir meinte neulich der Sieg der kollektiv zusammenarbeitenden Teams über die
Diven (Ronaldo, Messi etc.) sei eigentlich ein Linksruck im Fussball.
Das sind aber noch die kleinsten Diskussionen. Viel mehr im Mittelpunkt steht die Nationalismus - Frage.
Schon bei der WM 2006 konnten viele Linke die Lage nicht fassen und sahen einen neuen Rechtsruck herandräuen.
Auch an der Universität Bamberg gibt es eine kleine aber feine antideutsche Gemeinde. In der Austraße hängt das schöne Transparent "Nie wieder Deutschland".
Aber genug von den Antideutschen, viele Leute wollen sich nicht unbedingt einer Strömung zuordnen.
Sie sind aber angewidert vom Mainstream: Warum man ausgerechnet für die Nationalmannschaft sein müsse, nur weil man in diesem Land geboren sei?
Das habe doch etwas arg zwanghaftes und reflexhaft nationalistisches. Das waren die Leute, die schon 2006 extra für Trinidad-Tobago waren
um sich von der Norm abzuheben. Habe ich überhaupt das Recht etwas dazu zu sagen, wo ich doch Mainstream par excellence bin?
Ist es ein billiges Argument zu sagen, dass krampfhaftes Dagegensein ebenso wenig Sinn macht?
Es ist mir wirklich wurst, wer Fan von welcher Mannschaft ist. Aber ich habe keine Lust, mich wie auf der Folterbank rechtfertigen zu müssen.
"Du bist Fan der Nationalmannschaft?!" Wie konnte ich nur so dumm sein und auf die Mercedes 4. Stern - Pathetik - Patriotismus - Welle reinfallen?
Wie hat es sich nur ergeben, dass ich schon 1996 das Finale der EM angeschaut und schon damals (wie schrecklich!) mit Deutschland mitgefiebert habe?
Und das sogar zu Zeiten, als es Bierhoff für ein Golden Goal (mittlerweile abgeschafft, gell!) brauchte.
Ich kann nur zustimmen, über viele Jahre war es ein Leiden dem Rumpelfussball zuzuschauen. Aber jetzt müssen sogar die ewig Miesepetrigen zugeben:
Scheiße, diese Mannschaft spielt gut!
Hm, darf ich jetzt dafür sein, obwohl es eine DEUTSCHE Mannschaft ist?
Leute, macht Euch doch einfach locker. Es ist NUR Fussball. Es ist nur eine Feier, die 4 Wochen dauert.
Es wird nicht der dritte Weltkrieg ausgerufen.
Dass man sich unwohl fühlt wenn alle die Hymne mit der Hand an die Brust mitsingen (infranken-beach) kann ich verstehen,
mir gehts da auch so. Klar sollte man über die Sache reflektieren, dass es nur ein Spiel ist, dass
Nationalismus manchmal leicht in Chauvinismus umschlagen kann (das haben wir alle beim Vortrag im balthasar bei der freien uni gelernt) usw.
Aber für so mündig halte ich dann doch die meisten Leute.
Verfasst von Lisa Badum am 5. Juli 2010 - 23:08
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